NewsRetrograde vs Bolus-Injektion von Botulinumtoxin
4. August 2021

Retrograde vs Bolus-Injektion von Botulinumtoxin

Retrograde vs Bolus-Injektion von Botulinumtoxin

 

Retrograde vs Bolus-Injektion von Botulinumtoxin 

 

In einer kürzlich veröffentlichten Studie (Labbe et al. Ann Chir Plast Esthet . 2021 Jun;66(3):223-233.) untersuchten französische Ärzte den Unterschied in der Wirksamkeit zwischen einer retrograden und Bolus-Injektion von Botulinumtoxin Typ A zur Behandlung der Glabella-, lateralen Augen-, und Stirnfalten (Abb.1).

 

 

Abb.1: Bolus- vs. retrograde Botulinumtoxin-Injektion zur Behandlung der Krähenfüße

 

 

Der Gedanke dahinter: Botulinumtoxin zeigt eine höhere Wirksamkeit bei einer retrograden Injektion (Abb. 2) auf, da in diesem Falle die neuromuskulären Synapsen, also die Zielmuskel-Nerven-Ansätze, gezielter und in größerem Anteil erreicht werden.

Einige Muskeln, wie z. B. der Musculus depressor labii inferioris, weisen keine homogene Verteilung von Endplatten auf. Die Endplatten liegen bei diesem Muskel in Clustern vor.

 

 

Abb.2: Retrograde Botulinumtoxin-Injektion

 

 

Bei einigen anderen Muskeln hingegen, wie z. B. beim Musculus orbicularis oculi, wird eine homogene Verteilung von neuromuskulären Endplatten theoretisiert (Abb.3). 

Abb.3: Neuromuskuläre Endplatten-Verteilung nach Wolfgang Happak

 

 

 

Methoden in dieser Studie:

  • 10 Patientinnen (mittleres Alter: 46,25 Jahre)
  • Indikationen: Glabellafalten, Krähenfüße, Stirnfalten
  • Linke Gesichtshälfte: Klassische Bolusinjektion; Rechte Gesichtshälfte: Retrograde Injektion
  • 2 A.E.* pro Injektionspunkt (bei klassicher Bolusinjektion)
  • Zielmuskeln: Musculus frontalis (6 A.E. ingesamt), Musculus corrugator supercilii (4 A.E.), Musculus orbicularis oculi (6 A.E.)
  • Gesichtsanalyse an Tag 8 post injectionem zur Bewertung der Wirksamkeit
  • Nachkontrolle an Tag 15 post injectionem zur Bewertung der Sicherheit und Patientenzufriedenheit

 

 

Ergebnisse:

Am Tag der Kontrolle (8 Tage post injectionem) konnten die Autoren bei 9 von 10 Patientinnen eine signifikant höhere Wirksamkeit bei einer retrograden Injektion in den M. orbicularis oculi und M. corrugator supercilii feststellen. Das heißt, 9 von 10 Patientinnen benötigten auf der linken Gesichtshälfte (Bolusinjektion) eine Nachbehandlung. 1 von 10 Patientinnen hingegen benötigte auf der rechten Gesichtshälfte (retrograde Injektion) eine Nachbehandlung im Bereich der Glabellafalten. 

Bei den Stirnfalten konnte kein Unterschied bezüglich der Wirksamkeit (Bolusinjektion vs. retrograde Injektion) festgestellt werden.

 

 

Fazit:

Gemäß der vorliegenden Studie kann mittels einer retrograden Injektion eine bessere Verteilung von Botulinumtoxin im Zielmuskel erreicht werden. Dies kann potenziell mit einer niedrigeren Dosierung, niedrigeren Behandlungskosten und weniger Nebenwirkungen einhergehen. Trotzdem muss festgehalten werden, dass weitere Studien im größerem Maßstab notwendig sind, damit diese Ergebnisse zuverlässlig revalidiert werden.

 

 

*Es gilt zu beachten, dass A.E. (Allergan-Einheiten) nicht 1:1 mit S.E. (Speywood-Einnheiten) gleichzusetzen sind. 1 A.E. bzw. 1 M.E. (Merz-Einheit) entspricht 2.5 S.E.

 

 

Quelle:

Labbe et al. Ann Chir Plast Esthet . 2021 Jun;66(3):223-233. doi: 10.1016/j.anplas.2020.06.006. Epub 2020 Jul 24.

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