Paradigmenwechsel im Verständnis der Wirkung von Hyaluronsäurefillern?

Paradigmenwechsel im Verständnis der Wirkung von Hyaluronsäurefillern?
Es ist hinreichend belegt, dass die subkutane Injektion von Hyaluronsäure-Fillern zu Veränderungen in der extrazellulären Matrix führt.
So konnte in in-vitro-Studien mit humanen Fibroblasten gezeigt werden, dass die Synthese von Kollagen-Typ-I gefördert wird. Im Mäusemodell fördert dermal injizierte Hyaluronsäure die Kollagen-I- und Elastinsynthese über den TGF-β/Smad-Signalweg. Weiterhin konnte nach Injektion eines dermalen Fillers in Hautbiospien, die nach 12 Wochen entnommen wurden - im Vergleich zur NaCl-Injektion - vermehrt Kollagen (ca. 2x), Elastin (ca. 6,5x) und Fibronektin (ca. 2,6x) festgestellt werden. Darüber hinaus fanden sich vermehrt CD31-positive Zellen (ca. 3,7x), was auf eine Förderung der Angiogenese deutet. Eine Studie aus Italien hat ebenfalls eine erhöhte Aktivität dermaler Fibroblasten mit Synthese von Typ-III-Kollagen, Förderung der Angiogenese und der Epidermisdicke zeigen können.
Trotzdem bleibt festzuhalten, dass robuste, randomisierte und kontrollierte klinische Studien fehlen, um zu klären ob dies für die klinische Anwendung von Relevanz ist.
In einem kürzlich veröffentlichten Review (Wollina & Goldmann, Hautarzt 2021 · 72:403–407) beleuchten die beiden Autoren das Thema zur Wirkung von Hyaluronsäurefillern auf die extrazelluläre Matrix von einem neuen Blickwinkel aus:
Wollina und Goldmann theoretisieren, dass Hyaluron-Filler zwar in der Lage sind, Fibroblasten zu aktivieren, jedoch sei dies für die nachhaltigen Effekte von untergeordneter Relevanz.
Die beiden Autoren theoretisieren, dass Hyaluronsäure als Matrix für somatische Stammzellen einschließlich der Präadipozyten (Vorläuferzellen der Adipozyten) dient. Ein Abbau von Hyaluronsäure vermindert die Fähigkeit der Präadipozyten, sich zu reifen Adipozyten (Zellen des Fettgewebes) zu entwickeln. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass Hyaluronsäure maßgeblich die Proliferation der Präadipozyten fördert und die Seneszenz von Adipozyten vermindert. Außerdem stabilisiert vernetzte Hyaluronsäure reife Adipozyten und bremst die basale und Isoproterenol-induzierte Lipolyse. Interessanterweise konnte auch demonstriert werden, dass die subkutane Injektion von humanen Präadipozyten in einer Hyaluronsäure-Matrix bei immundefizienten Mäusen zur Bildung von neuem, reifem Fettgewebe führt.
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die beobachteten langfristigen Volumeneffekte tief im Mittelgesicht nach Hyaluronsäure-Injektion das Ergebnis einer Stammzellinduktion im fazialen Fettgewebe ist. Dabei ist es entscheidend, wo genau im fazialen Fettgewebes die Injektion des Hyaluronsäure-Fillers erfolgt. Hohe Präadipozytenzahlen sind insbesondere im tiefen Mittelgesichtsfettkompartiment vorhanden.
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Fazit
Die sorgfältige Selektion von Injektionstechniken und Hyaluronsäure-Präparaten kann dabei helfen, langfristige Wirkungen (insbesondere beim Volumenaufbau des Mittelgesichtes) erzielen. Für die Zukunft sind weitere Entwicklungen zu erwarten, wie z. B. die gezielte Entwicklung von Hyaluronsäure-Fillern, die die Interaktion mit somatischen Stammzellen (einschließlich der Präadipozyten) des Fettgewebes gezielt stimulieren.
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Quelle:
U. Wollina und A. Goldman. Hautarzt 2021 · 72:403–407