Menopause und Haut: Was die Hormontherapie für Kollagen, Hautdicke und Elastizität bringt

Mit dem Rückgang der Östrogene in der Peri- und Postmenopause verändert sich die Haut: Sie wird dünner, trockener und weniger elastisch, der Kollagengehalt sinkt. Frauen in dieser Lebensphase stellen einen großen Teil der Patientinnen in der ästhetischen Medizin – und viele von ihnen nehmen eine menopausale Hormontherapie (MHT) ein oder erwägen sie. Was diese Therapie an der Haut messbar verändert, hat eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse untersucht.
Studiendesign
Das Team um Pivazyan durchsuchte nach PRISMA-Standard PubMed, die Cochrane Library, ClinicalTrials.gov und Google Scholar bis Januar 2022; das Protokoll war in PROSPERO registriert. Eingeschlossen wurden randomisierte und nicht randomisierte klinische Studien, die eine orale oder transdermale Hormontherapie mit Placebo, keiner Behandlung oder einer anderen Behandlung verglichen.
In die Auswertung gingen 15 Studien ein (8 randomisiert, 7 nicht randomisiert) mit 1.589 Frauen, davon 845 unter Hormontherapie. Die Einzelstudien stammen aus den Jahren 1992 bis 2014 und setzten überwiegend orale konjugierte Östrogene oder Estradiol ein, mit oder ohne Gestagen, über Zeiträume von wenigen Wochen bis fünf Jahren. Zielgrößen waren Elastizität, Hautdicke, Kollagengehalt (Biopsie), Falten und Trockenheit.
Was hat die Metaanalyse ergeben?
Angegeben ist jeweils die standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) mit 95-%-Konfidenzintervall:
- Kollagengehalt: SMD 2,01 (1,42 bis 2,61; p < 0,00001) – 2 Studien, 93 Frauen.
- Hautdicke: SMD 1,27 (0,88 bis 1,66; p < 0,00001) – 3 Studien, 141 Frauen.
- Elastizität: SMD 0,28 (0,03 bis 0,54; p = 0,03) – 4 Studien, 251 Frauen.
- Falten: SMD −0,30 (−0,51 bis −0,10; p = 0,003) zugunsten der Hormontherapie – 2 Studien, 378 Frauen.
- Trockenheit: kein signifikanter Effekt (SMD 0,15; p = 0,14) – 3 Studien, 399 Frauen.
Die Einzelstudien zeichnen kein einheitliches Bild. In einer Arbeit von 1992 nahm der Kollagengehalt unter Hormontherapie über zwölf Monate um 1,8 bis 5,1 % zu, während er bei unbehandelten Frauen um 3,2 % sank. Die größte randomisierte Studie (2008, 48 Wochen) fand dagegen keine signifikante Veränderung von Falten oder Elastizität.
Einordnung: Warum die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind
- Sehr uneinheitliche Studien: Bei den vier signifikanten Zielgrößen ist die Heterogenität hoch (I² 64 bis 98 %). Trotzdem wurde mit einem Modell fester Effekte gerechnet – die Konfidenzintervalle wirken dadurch enger, als es die Daten hergeben.
- Kleine, alte Studien: Je Zielgröße flossen nur zwei bis vier Studien ein, keine davon nach 2014; die damaligen Präparate und Dosierungen entsprechen nicht durchgehend der heutigen Praxis.
- Äpfel und Birnen: Unter „transdermaler“ Therapie wurden auch östrogenhaltige Gesichtscremes mit systemischer Hormontherapie zusammengefasst. Gemessen wurde teils am Unterarm, nicht im Gesicht.
- Offene Punkte: Die angekündigte Bewertung der Evidenzsicherheit (GRADE) fehlt, ebenso eine systematische Auswertung der Sicherheit.
Das Autorenteam selbst nennt das mäßige Verzerrungsrisiko der Einzelstudien und fehlende einheitliche Messverfahren als Grenzen – und stellt klar, dass die Hormontherapie nicht als eigenständige Behandlung der Hautalterung zu verstehen ist.
Fazit für die Praxis
Frauen unter menopausaler Hormontherapie haben im Mittel eine dickere, kollagenreichere und elastischere Haut als unbehandelte postmenopausale Frauen; Trockenheit bessert sich nicht. Die Daten sind heterogen und methodisch schwach – ein Hauteffekt ist ein möglicher Zusatznutzen einer anderweitig indizierten Therapie, keine eigene Indikation.
Aus unserer Sicht heißt das für die ästhetische Sprechstunde: Menopausenstatus und Hormontherapie gehören in die Anamnese, weil sie die Ausgangslage der Haut mitbestimmen – etwa bei der Planung von Biostimulatoren oder energiebasierten Verfahren. Die Indikation zur Hormontherapie bleibt eine gynäkologische Entscheidung. Zu Fillern, Biostimulatoren oder Botulinumtoxin bei Frauen in der Menopause enthält die Arbeit keine Daten. Die anatomischen Grundlagen der Gesichtsalterung vermitteln unsere Online-Kurse.
Häufige Fragen
Verbessert eine Hormontherapie die Haut in der Menopause?
In der Metaanalyse waren Kollagengehalt, Hautdicke und Elastizität unter Hormontherapie messbar höher und Falten geringer ausgeprägt als ohne. Die Studien sind jedoch klein, alt und sehr uneinheitlich; die größte randomisierte Studie fand keinen Effekt auf Falten und Elastizität.
Sollte man eine Hormontherapie wegen der Haut beginnen?
Nein. Das Autorenteam der Metaanalyse betont ausdrücklich, dass die Hormontherapie nicht als eigenständige Behandlung der Hautalterung gedacht ist. Ein Hauteffekt ist ein möglicher Zusatznutzen einer aus anderen Gründen indizierten Therapie.
Hilft die Hormontherapie gegen trockene Haut?
Für Hauttrockenheit zeigte die Metaanalyse keinen signifikanten Effekt (drei Studien, 399 Frauen).
Referenz: Pivazyan L, Avetisyan J, Loshkareva M, Abdurakhmanova A. Skin Rejuvenation in Women using Menopausal Hormone Therapy: A Systematic Review and Meta-Analysis. J Menopausal Med. 2023;29(3):97–111. doi: 10.6118/jmm.22042. PMID 38230593. Frei zugänglich (CC BY-NC 4.0): PMC10796198.