Indikation Lippe: Vertikale vs. horizontale Injektionstechnik mit Hyaluronsäure-Fillern

In diesem Blogbeitrag möchten wir einen Überblick über die Lippenanatomie und die damit verbundenen Implikationen für die Wahl der Injektionstechnik geben, damit Ihnen eine sichere und effektive Behandlung mittels Hyaluronsäure-Fillern gelangt.
Die Frage welche Injektionstechnik (vertikal vs. horizontal) sicherer und effektiver ist, wird in der medizinischen Community seit jeher diskutiert. Bei unseren Workshops erleben wir immer wieder lebhafte und konstruktive Diskussionen über grundlegende Fragen, wie. z. B. zur Lage der Arteria labialis und die Vor- und Nachteile bei einer horizontalen und vertikalen Injektionstechnik.
2D-Anatomiezeichnungen und -abbildungen, z. B. aus Lehrbüchern, vermitteln oftmals ein unzureichendes dreidimensionales Verständnis der Lippenanatomie, insbesondere der Arterienverläufe. Dies ist ein wichtiger Umstand, denn in den Diskussionen und im Wissens- sowie Erfahrungsaustausch zwischen Fachärzten, werden (verständlicherweise) wiederholt Publikationen für die Entscheidungsgrundlage für eine sichere Injektionstechnik genommen.
Es sei jedoch angemerkt, dass die zahlreichen Publikationen eine unterschiedliche Sprache sprechen, wenn es um anatomische Bezeichnungen und Lagebeziehungen geht. So wird in einigen englischsprachigen Publikationen behauptet, dass die A. labialis an der "Trocken-Nass-Grenze" (engl. Wet-Dry-Border) verläuft, also nicht dort, wo viele Behandler die Arterie eigentlich vermuten. In anderen Publikationen wiederum ist die Rede davon, dass die A. labialis auf der Höhe der Lippenrotgrenze (engl. Vermillion border) liegt. Und gerade diese Diskrepanz macht es schwierig, einen Konsens zu finden. Solche Ungenauigkeiten führen schlussendlich dazu, dass kein abschließendes Fazit und Variabilität im Verständnis besteht.
Berücksichtigen wir z. B. einmal die Dicke einer Nadel, welche 0,4 mm beträgt. Wenn nun in einer Publikation behauptet wird, dass die A. labialis an der Lippenrot- bzw. Trocken-Nass-Grenze liegt, dann entsteht der Eindruck, dass die Arterie genau dort anzutreffen sei. Nun ist es jedoch so, dass diese anatomischen Bereiche ein Areal von 2-5 mm umfassen können und die Einstichstelle mit der Nadel ungenau ist. Das Problem sind also die ungenauen Begrifflichkeiten der beiden anatomischen Bezeichnungen. Daher ist es sehr wichtig, ein dreidimensionales Verständnis der Lippenanatomie zu besitzen.
Weitere Implikationen können wir anhand der Abbildungen unten zeigen:
Bei frontaler Ansicht liegt die A. labialis augenscheinlich auf der Lippenrotgrenze.
Bei der inferioren Perspektive sieht es hingegen so aus, als ob die Arterie weiter unten und tiefer liegt, also an der Trocken-Nass-Grenze. Dies liegt daran, dass die A. labialis auch ca. 5 mm tief liegt.
Wichtig ist daher, beide Perspektiven bei der Gesichts- bzw. Lippenanalyse zu berücksichtigen.
Kommen wir nun zurück zur Ursprungsfrage: Horizontale vs. vertikale Injektionstechnik. Welche ist sicherer?
Ob Sie bei der Behandlung senkrecht oder waagerecht mit der Nadel eindringen, ist unserer Meinung nach weniger relevant. Beide Injektionstechniken können (un)sicher sein. Wichtiger ist hier die Injektionstiefe, die eher oberflächlich sein sollte, so dass die Oberlippenarterie nicht punktiert wird. Es sollte also beachtet werden, dass die A. labialis im Durchschnitt 5 mm tief liegt. Bei älteren Patienten ist altersbedingt oftmals eine Elongation und Inversion der Lippen zu beobachten, so dass sich die Lippenrotgrenze nach innen verlagert. Dies führt dazu, dass bei einer vertikalen Injektion zwangsläufig ein anderer Einstichwinkel als bei jüngeren Patienten (z. B. 45 Grad) gewählt werden sollte.
Bei älteren Patienten kann es daher Sinn machen, die Nadel hinter dem Muskel zu platzieren. Es handelt es sich hier um eine reine Vorsichtsmaßnahme, da kleinere und "ältere" Lippen eher einen steileren Einstichwinkel erfordern. Weiter zu beachten: Da die A. labialis horizontal verläuft, liegen die Injektionswege auch parallel zur Arterie. Wenn die horizontale Technik jedoch sorgsam durchgeführt wird, eignet sich diese gut für die Formung der Lippen und Definition der Lippenrotgrenze.
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Unser Fazit: Die Debatte über die horizontale oder vertikale Injektionstechnik ist eher eine Debatte über genaue Begriffsdefinitionen und die anatomischen Lagebeziehungen. Wir sind davon überzeugt, dass ein grundlegendes Verständnis über die dreidimensionale Anatomie der Lippen zur Lösung beitragen kann. |
