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10. Oktober 2026

GLP-1-Rezeptoragonisten und Gesichtsvolumen: PLLA plus Hyaluronsäure nach Gewichtsverlust

GLP-1-Rezeptoragonisten und Gesichtsvolumen: PLLA plus Hyaluronsäure nach Gewichtsverlust

GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Tirzepatid führen bei vielen Patientinnen und Patienten zu einem raschen, deutlichen Gewichtsverlust. In der ästhetischen Praxis zeigt sich die Kehrseite: eingefallene Wangen, schärfere Konturen, erschlaffte Haut – umgangssprachlich das „Ozempic-Gesicht“. In einer Befragung von 1.226 Anwenderinnen und Anwendern berichteten bei einem Gewichtsverlust von mehr als 20 % die Hälfte über Volumenverlust im Gesicht und 72 % über erschlaffte Haut (Rao et al. 2026). Kontrollierte Daten dazu, wie sich diese Veränderungen behandeln lassen, fehlten bisher.

Eine Arbeitsgruppe um Z. Paul Lorenc hat nun die erste prospektive, multizentrische Studie zu einer Kombination aus Poly-L-Milchsäure (PLLA) und Hyaluronsäure bei Personen unter GLP-1-Therapie veröffentlicht.

Studiendesign

Die Studie war offen und einarmig – ohne Kontrollgruppe – und lief von Februar 2024 bis Mai 2025 an zwei Zentren in den USA. Eingeschlossen wurden 41 Personen (39 Frauen, 2 Männer; mittleres Alter 58,9 Jahre), 35 schlossen die Studie ab. Alle hatten unter Semaglutid oder Tirzepatid abgenommen, im Mittel rund 15 kg (6 BMI-Punkte), nahmen das Medikament seit durchschnittlich 1,7 Jahren ein und hatten ein stabiles Gewicht.

  • Hyaluronsäure: zu Beginn im Mittel rund 2 ml am Jochbein, mit einer 25-G-Kanüle; bei Bedarf Nachbehandlung nach vier Wochen (Restylane® Lyft oder Contour).
  • PLLA: im unteren Gesicht und an der Fossa piriformis, mit einer 25-G-Nadel; zu Beginn und nach vier Wochen, optional nach acht Wochen. Je Sitzung im Mittel rund 17 bis 18 ml rekonstituierte Suspension (Sculptra®).

Gemessen wurden Hautfeuchtigkeit (Corneometer), Glanz (Glossymeter) und Hautdicke (Ultraschall) – allerdings nur an einem der beiden Zentren, also bei 13 bis 19 Personen. Hinzu kamen standardisierte Fotos, ein Zufriedenheitsfragebogen und die Erfassung unerwünschter Ereignisse. Nachbeobachtet wurde bis neun Monate nach der letzten PLLA-Sitzung.

Was hat die Studie ergeben?

  • Hautfeuchtigkeit: An der Wange (Hyaluronsäure-Areal) stieg sie nach vier Wochen um 33,4 % (p = 0,048) und lag nach neun Monaten noch 32,9 % über dem Ausgangswert (p = 0,023). An der Kieferlinie (PLLA-Areal) gab es keine signifikante Veränderung.
  • Glanz: An der Kieferlinie nahm er zu – um 13,0 % nach vier Wochen und 15,9 % nach neun Monaten (p = 0,012). An der Wange nahm er dagegen ab (minus 7,6 bis minus 10,9 % zwischen Monat 3 und 9).
  • Hautdicke: An der Kieferlinie plus 8,2 % nach drei Monaten (p < 0,05); nach sechs und neun Monaten nicht mehr signifikant. An der Wange keine Veränderung.
  • Zufriedenheit nach neun Monaten (n = 35): 88,6 % fanden, sie sähen besser aus als vor der Behandlung, 85,7 % weniger eingefallen; 91,4 % würden die Behandlung empfehlen.
  • Verträglichkeit: Das Autorenteam berichtet keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse; 17 Personen gaben leichte, vorübergehende Reaktionen an der Einstichstelle an (Hämatome, Schwellung, Schmerz, Knötchen).

Einordnung: Wie belastbar sind die Ergebnisse?

Die Studie liefert erstmals prospektive Daten für diese Patientengruppe – mit deutlichen Einschränkungen, die bei der Bewertung zählen:

  • Kein Vergleich: Ohne Kontrollgruppe und ohne Verblindung lässt sich der Effekt der Behandlung nicht von Erwartung, Jahreszeit oder Spontanverlauf trennen.
  • Sponsor: Finanziert, geplant und ausgewertet wurde die Studie vom Hersteller der eingesetzten Produkte (Galderma); fünf der sieben Autorinnen und Autoren sind oder waren dort angestellt.
  • Kontur nicht gemessen: Die Verbesserung der Gesichtskontur – das eigentliche Behandlungsziel – wird nur mit Vorher-Nachher-Fotos von vier Personen belegt, ohne Skala und ohne verblindete Bewertung.
  • Kleine Messgruppe, gemischte Befunde: Die Gerätemessungen stammen von weniger als der Hälfte der Teilnehmenden und fallen je Areal unterschiedlich aus; an der Wange nahm der Glanz sogar ab.
  • Nicht GLP-1-spezifisch: Ein Vergleich mit Gewichtsverlust ohne GLP-1-Therapie fehlt.

Fazit für die Praxis

Ein gestuftes Vorgehen – Hyaluronsäure für die Projektion am Jochbein, PLLA im unteren Gesicht in zwei bis drei Sitzungen – war bei gewichtsstabilen Personen unter laufender GLP-1-Therapie durchführbar, gut verträglich und führte über neun Monate zu hoher Zufriedenheit. Die objektiven Verbesserungen der Hautqualität waren moderat und je nach Areal uneinheitlich; einen Wirksamkeitsnachweis gegen eine Kontrolle liefert die Studie nicht.

Aus unserer Sicht folgt daraus für das Beratungsgespräch: Gewichtsverlauf und Medikation in die Anamnese aufnehmen, bei stabilem Gewicht planen und den Materialbedarf offen ansprechen – die eingesetzten PLLA-Mengen entsprechen rechnerisch etwa zwei Durchstechflaschen je Sitzung. Wie Sie Volumenaufbau und Biostimulation anatomisch sicher umsetzen, vertiefen unsere Hands-on Workshops.

Häufige Fragen

Was bedeutet „Ozempic-Gesicht“?

Der Begriff ist umgangssprachlich und beschreibt eingefallene Gesichtszüge und erschlaffte Haut nach raschem Gewichtsverlust unter GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Tirzepatid. Ob die Veränderungen über den reinen Gewichtsverlust hinausgehen, ist nicht geklärt; die hier vorgestellte Studie hat das nicht untersucht.

Wann sollte nach Gewichtsverlust behandelt werden?

In der Studie wurden nur Personen mit stabilem Gewicht aufgenommen; fast alle nahmen das Medikament weiter ein. Ob eine frühere Behandlung während der Gewichtsabnahme sinnvoll ist, wurde nicht geprüft.

Wie viel Material wurde in der Studie verwendet?

Je Sitzung im Mittel rund 17 bis 18 ml rekonstituierte PLLA-Suspension im unteren Gesicht, in zwei bis drei Sitzungen im Abstand von vier Wochen, dazu einmalig rund 2 ml Hyaluronsäure am Jochbein.

Referenz: Lorenc ZP, Somenek M, Nguyen TQ, Garimella S, Hicks J, Le JHTD, et al. A Multicenter, Open-Label Study of Combined Poly-L-Lactic Acid and Hyaluronic Midface Filler Regimen Enhances Facial Harmony and Skin Quality in GLP-1 Medication Users. Aesthet Surg J. 2026;46(5):509–519. doi: 10.1093/asj/sjaf240. PMID 41243519. Frei zugänglich (CC BY 4.0): PMC13064655.

Hintergrund: Rao S, et al. Dermatol Ther (Heidelb). 2026;16(9):4749–4760. PMID 42579223 (frei zugänglich).

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