NewsFit statt faltenfrei? Wie intensive körperliche Aktivität die Wirksamkeit von Botulinumtoxin beeinflussen könnte - Erkenntnisse aus einer kontrollierten Einfachblindstudie
9. August 2023

Fit statt faltenfrei? Wie intensive körperliche Aktivität die Wirksamkeit von Botulinumtoxin beeinflussen könnte - Erkenntnisse aus einer kontrollierten Einfachblindstudie

Fit statt faltenfrei? Wie intensive körperliche Aktivität die Wirksamkeit von Botulinumtoxin beeinflussen könnte - Erkenntnisse aus einer kontrollierten Einfachblindstudie

 

Einleitung:

Der Prozess der Gesichtsalterung ist komplex und vielschichtig, umfasst Atrophie des Weichgewebes, Knochenresorption und -umbau, Muskelveränderungen (Hypertrophie) sowie ein Ungleichgewicht zwischen Muskelgruppen. Faktoren wie Rauchen, Sonnenschäden, schlechte Gesundheit und Depressionen können diesen Prozess verschlimmern. Zu den ästhetischen Folgen des Alterungsprozesses im oberen Gesicht gehören Falten, ausgeprägte Stirnfalten, die von hängenden Augenbrauen begleitet sein können, und tiefere Glabellafalten.

 

Die Injektion von Botulinumtoxin Typ A (BoNT-A) zur Behandlung von Gesichtslfalten ist das am häufigsten durchgeführte minimalinvasive Verfahren in den EU, USA und Brasilien. Die häufigsten behandelten Bereiche sind die Stirn und der Glabellakomplex, da die Behandlung sehr gute Ergebnisse erzielt und sicher ist. Obwohl es Konsens und klinische Studien zu BoNT-A gibt, gibt es zu Einflussfaktoren auf Wirkdauer begrenzte Daten.

 

Die Dauer der Wirkung von BoNT-A kann je nach Präparat bis zu 6 Monate betragen. Das Nachlassen der Wirkung hängt hauptsächlich mit der Funktions-regeneration sowie dem Nachwachsen von Nervenenden zusammen. Es gibt viele Faktoren, die die Haltbarkeit der BoNT-A-Wirkung beeinflussen können, wie z. B. die Handhabung des Arzneimittels, die Dosierung und Intervalle zwischen den Anwendungen sowie der Hauttyp.

 

Es wurde beobachtet, dass die Wirkung von BoNT-A bei Personen mit hoher körperlicher Aktivität kürzer anhält. Studien an Mäusen haben gezeigt, dass wiederholtes motorisches Training bestimmte neuronale Pfade stimulieren kann, um die funktionelle Neuausrichtung im Rückenmark zu fördern. Klinische Studien haben gezeigt, dass individualisierte Übungsprogramme die motorische Genesung bei Personen mit Rückenmarksverletzungen verbessern können.

 

Es wird daher vermutet, dass hohe körperliche Aktivität die Muskelwiederinnervation beeinflussen und somit die Wirkkungsdauer von BoNT-A negativ beeinflussen kann. Ziel der hier beschriebenen Studie war es daher, den Einfluss des Aktivitätsniveaus auf Wirkungsdauer von BoNT-A in den Muskeln des oberen Gesichts zu untersuchen. 

 

Studiendesign:

Es handelt sich um ein Einzelzentrum-, kontrollierte, einfach geblindete Studie. An der Studie nahmen brasilianische Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren teil, die entweder CrossFit praktizierten oder nicht (Kontrollgruppe). Die Teilnehmerinnen hatten mäßig bis stark ausgeprägte dynamische Stirn- und Glabellafalten gemäß der Merz 5-Punkte-Skala. Die Probandinnen durften zuvor keine BoNT-A-Injektionen im Gesicht zu ästhetischen oder therapeutischen Zwecken erhalten haben und auch keine anderen ästhetischen Verfahren gegen Falten durchgeführt haben. Ausschlusskriterien waren Tetanus-Impfung oder chemisches Peeling in den letzten 6 Monaten, Verfahren, die die Stirn- und Glabellarregionen in den letzten 12 Monaten beeinflussen könnten, Autoimmunerkrankungen und/oder aktuelle Anwendung von Medikamenten, die an neuromuskulären Verbindungen wirken.

 

Vier Arten von Aktivitäten - Gehen, Sitzen, Aktivitäten mit mittlerer Intensität und Aktivitäten mit hoher Intensität - wurden den Probandinnen zugewiesen.

BoNT-A (100 U, Botox®, Allergan, Irvine, CA, USA) wurde mit 1,0 ml konservierungsmittelfreier Kochsalzlösung rekonstituiert, sodass 0,1 ml 10 U des Produkts entsprach. Die angewendeten Dosen in den Muskeln folgten der Fachinformation für OnabotulinumtoxinA (Botox®). Die behandelten Regionen waren die Glabella-, sowie die Stirnfalten.  Es wurden keine Auffrischungsbehandlungen durchgeführt.

 

Die Probandinnen wurden an vier Zeitpunkten (Ausgang, 30, 60 und 90 Tage) über einen Zeitraum von drei Monaten untersucht. Die Ergebnisse wurden zu allen Auswertungszeitpunkten von einem Forscher bewertet, der im Rahmen der Studie zuvor nicht involviert war. Die Ergebnisse wurden mittels Elektromyografie-Aktivität (EMG) ausgewertet: Stirnrunzeln (überraschter Gesichtsausdruck), Glabellarrunzeln (verärgerter Gesichtsausdruck im oberen Bereich), und die Probandinnen wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen.

 

Was hat die Studie ergeben?

Es wurde eine signifikante Reduktion der elektrischen Aktivität in allen Muskeln nach BoNT-A-Injektionen bis zum ersten Monat des Follow-ups in allen Gruppen festgestellt, wobei die Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität bei der Bewertung nach einem Monat eine größere Reduktion aufwies als die anderen beiden Gruppen. 

Die Gruppen mit moderater und hoher körperlicher Aktivität wiesen ab dem zweiten Monat eine höhere Prävalenz von "starken" und "sehr starken" Falten in der Stirn- und Glabellaregion auf, verglichen mit der Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität. Die Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität hatte hingegen ab dem 2. und 3. Monat weniger "starke und sehr starke Falten" in den beiden Bereichen. Die Patienten in den Gruppen mit geringer und moderater körperlicher Aktivität waren zudem zufriedener mit der Behandlung von Linien zwischen den Augenbrauen, wobei die Patienten in der Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität am zufriedensten waren. Die Gruppe mit hoher körperlicher Aktivität zeigte bereits im zweiten Monat eine Muskelregeneration. Diese Gruppe hatte auch eine geringere Reduktion der elektrischen Aktivität und eine höhere Prävalenz von starken Falten im Vergleich zur Gruppe mit geringer körperlicher Aktivität bei allen Messzeitpunkten für alle Muskeln.

 

Fazit:

Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie lässt sich schlussfolgern, dass höhere Grade an körperlicher Aktivität einen negativen Einfluss auf die Wirkungsdauer von BoNT-A haben könnten.

 

Referenz:

Morhy et al. Toxins (Basel) . 2023 Jul 19;15(7):463. doi: 10.3390/toxins15070463.

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