Behandlung der Schläfe mit Hyaluronsäure-Filler: Penetrationskraft durch die oberflächliche und tiefe Schläfenfaszie und Implikationen für die Behandlung

Abbildung 1: Der temporoparietale Faszienlappen.
Die Volumisierung der Schläfenregion ist einer der am häufigsten durchgeführten Behandlungen mit Hyaluronsäure-Fillern. Allerdings werden in der Literatur verschiedenste Techniken mit HS-Fillern empfohlen. So wird in einigen Studien vorgeschlagen den Filler tief in die Periostschicht, zwischen der Fossa temporalis und dem Musculus Temporalis, im vertieften Bereich zu injizieren. Diese Technik erfordert jedoch eine relativ große Menge an Fillermaterial und nicht immer gelingt es, die gesamte Depression effektiv und komplikationsfrei auszufüllen.
Eine alternative und häufig durchgeführte Technik ist die Injektion des Füllmaterials zwischen der oberflächlichen und tiefen Schläfenfaszie (Abb.2).
Abbildung 2: Ultraschallbild eines Hyaluronsäure-Fillers (HA-Filler), der zwischen der oberflächlichen Schläfenfaszie (STF) und der tiefen Schläfenfaszie (DTF) injiziert wurde.
Für eine effektive und sichere Behandlung mit dieser Technik ist jedoch ein präzises Verständnis des schichtweisen Aufbaus des Schläfenbereichs essenziell. Zutsätzliche quantitative Informationen können die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Technik erhöhen. So wurde in einer kürzlich publizierten Studie (Lee et al. J Plast Reconstr Aesthet Surg . 2022 Dec 19;77:271-273) die Penetrationskraft untersucht, die notwendig ist um die oberflächliche und tiefen Schläfenfaszie zu durchdringen. Aus den Ergebnissen wurden Schlussfolgerungen für die Behandlung gezogen.
Material und Methoden:
Die oberflächliche und tiefe Schläfenfaszie wurde durch Entfernen der Haut und des subkutanen Gewebes um den Schläfenbereich herum freigelegt und jeweils zurückgezogen. Die erforderlichen Penetrationskräfte die für die Durchdringung der beiden Faszien erforderlich sind, wurden gemessen (Abb. 3).
Der obere Punkt wurde 2 cm seitlich der seitlichen Augenbraue und der untere Punkt 2 cm oberhalb des Jochbeinbogens in einer Linie senkrecht zum oberen Punkt festgelegt. Die Penetrationskraft wurde mit mit einer 21G Kanüle auf einem multiTest 2.5-d Gerät (Mecmesin Limited) gemessen. Um potenziell störende Faktoren zu vermeiden, wurde die jeweils untersuchte Faszie während des gesamten Prozesses fest fixiert. Der Durchschnittswert wurde durch dreimalige Messung der linken und rechten Seite ermittelt.
Ergebnisse:
Am oberen Punkt der oberflächlichen Schläfenfaszie betrug die mittlere Penetrationskraft 7,5 ± 2,9 N bzw. 13,2 ± 3,2 N für die tiefe Schläfenfaszie. Die mittlere Penetrationskraft am unteren Punkt der tiefen Schläfenfaszie lag bei 11,5 ± 3,3 N.
Diskussion:
Die vorliegende Studie zeigt, dass es nicht einfach ist, die tiefe Schläfenfaszie zu durchdringen.
Da sich die Penetrationskraft durch die oberflächliche Faszie von der Penetrationskraft durch die tiefe Schläfenfaszie unterscheidet, kann dieser Umstand als Stütze für Behandler dienen, um die beiden Strukturen haptisch voneinander zu unterscheiden.
Die Platzierung der Kanülenspitze zwischen den beiden Faszien ist eigentlich eine relativ sichere Technik. Bekanntlich befindet sich jedoch die mittlere Schläfenvene tief in der oberflächlichen Schicht der tiefen Schläfenfaszie, so dass bei tiefen Injektionen das Risiko einer Gefäßverletzung besteht. Es kann deswegen sinnvoll sein, Gefäße in der Schläfengegend mit Doppler-Ultraschall aufzuspüren.
Zudem kann es sicherer sein, eine Kanüle mit einem größeren Durchmesser zu verwenden. So ist es wahrscheinlich, dass der Patient bei Verwendung einer 21G Kanüle die Perforation der oberflächlichen Schläfenfaszie spürt.
Quelle: Lee et al. J Plast Reconstr Aesthet Surg . 2022 Dec 19;77:271-273


