Aspiration vor der Injektion von dermalen Hyaluronsäure-Fillern - Ja oder nein?

Aspiration vor der Injektion von dermalen Hyaluronsäure-Fillern - Ja oder nein?
Dieses Thema wird in der medizinischen Community kontrovers diskutiert und es gibt noch immer keinen Konsens dazu.
In einem kürzlich veröffentlichtem Review stellen Goodmann et al. (Aesthet Surg J. 2021 Apr; 41(4): NP134–NP136) Folgendes fest:
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1. Es besteht Einigkeit darüber, dass die vaskuläre Okklusion (und daraufhin z. B. eine Erblindung) das eigentliche Ereignis ist, welches mittels einem Aspirationsprozess ggf. vermieden werden soll. Es gibt jedoch aktuell KEINE Beweise, dass die Aspiration tatsächlich einen solchen Schutz bietet.
2. Eine negative Aspiration (kein Blut nach der Aspiration) kann beobachtet werden, wenn sich die Nadelspitze tatsächlich nicht in einem Gefäß befindet (Echtes negativ) oder aber auch wenn sich die Nadelspitze trotzdem in einem Gefäß befindet, aber - aufgrund der rheologischen Eigenschaften des Blutflusses oder eines Gefäßkollapses kein Blut aspiriert wird (Falsch negativ).
3. Die negative Aspiration beruht auf die Prämisse, dass die Nadel- bzw. Kanülenspitze tatsächlich dauerhaft, während des ganzen Aspirationsprozesses, stationär ist und Bewegungen der Spritze während der Aspiration und der Injektion die Platzierung der Füllsubstanz nicht weiter beeinflussen.
4. Bislang publizierte Studien zu diesem Thema beinhalten oftmals die alleinige Betrachtung von positiven Aspirationen, vernachlässigen aber falsch-negative Aspirationen.
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Unser Fazit:
Eine Aspiration bietet keinen vollumfänglichen Schutz ggü. der Möglichkeit einer vaskulären Okklusion. Bei Verdacht auf Gefäßverschluss: Injektion sofort abbrechen und behandeln. Ziel: Blutfluss zum betroffenen Bereich fördern.
Behandlung (Gefäßverschluss): Hyaluronidase (sofort gesamter Bereich der Ischämie & periodisch solange Symptomatik anhalten), warme Kompresse, Massieren/Klopfen & Auftragen von 2% Nitroglycerinpaste zur Förderung der Vasodilatation, Acetylsalicylsäure
Risiko reduzieren durch: Anatomiekenntnisse, langsame Injektion, kleine (serielle) Volumina bei Risikoarealen, eine Seite nach der anderen behandeln, Hochziehen der Haut, um mehr Distanz zu den Ästen der Hauptarterien zu schaffen, Verwendung stumpfer Kanülen
Quelle:
Goodmann et al. (Aesthet Surg J. 2021 Apr; 41(4): NP134–NP136)